"Don´t ask what the country can do for you -

ask what you can do for the country!"

J.F. Kennedy

 

Auch wenn oben genanntes Zitat natürlich mit einem Augenzwinkern daher kommt, so steckt doch ein Körnchen Ernst darin - mir war von Anfang an wichtig, nicht auf ein "Integrationswunder" zu warten, sondern selbst Verantwortung dafür zu übernehmen, mich so schnell wie möglich im Amiland zu intergrieren und mich einzubringen. Was soviel heißt wie "Andi läuft konfus und aktionistisch im Ami-Land rum und stiftet mehr Chaos als sonst was"...

Unten könnt ihr von kleinen und nicht so großen "Heldentaten" lesen, die ich bislang im und für das Ami-Land vollbracht habe ;))

November 2012: Andy vs. SANDY

Während Ken und ich von SANDY vollkommen verschont geblieben sind - wir hatten sogar durchgehend Elektrizität - hatten Kens Eltern in "Rockaway Beach" (Kartenansicht "Rockaway Beach") nicht so viel Glück. Auf der noch nicht mal 1 Kilometer breiten Landzunge traf während SANDY Wasser des Ozeans von südlicher und der "Jamaica Bay" von nördlicher Richtung auf Land aufeinander und überschwemmte die dort anliegenden Häuser entweder komplett oder zumindest in Teilen. Im Haus von Kens Eltern wurde glücklicherweise nur der Keller überflutet, so dass nach einer Renovierung des Kellers das Haus an sich weiterin bewohnbar ist. Nur einen Häuserblock weiter südlich brannten 15 Häuser aufgrund beschädigter Oberleitungen komplett ab und 2 Personen ertranken in ihren Kellern. Eine dieser Personen war der örtliche Briefträger, der im Sommer alle meine Umzugspakete zugestellt hatte und den ich im Zuge dessen persönlich kennengelernt hatte - ein sehr freundlicher Mann, der amüsiert darüber war, dass eines meiner Pakete aufgrund einer darin befindlichen und versehentlich aktivierten Spieluhr Musik abspielte.

Insofern hatten Kens Eltern sogar Glück im Unglück. Außerdem fungierten die im Keller deponierten zahlreichen Bücher als Schwämme, die viel Feuchtigkeit aufnahmen. Jedes Buch war doppelt so dick und wahrscheinlich dreimal so schwer wie vorher. Dennoch - die Versicherung übernimmt nur Schäden ab Erdgeschoss und eine schnelle Ausräumung des Kellers war dringend, um dem Befall durch Schimmel vorzubeugen. Also halfen Ken und ich bei der Ausräumung des Kellers. Natürlich war dieser nicht nur durch Salzwasser, sondern ebenfalls durch Wasser der Kanalisation überflutet worden, was einen unglaublichen Gestank verursachte. Abends hat man gerochen, wie ein toter Fisch, der durch Abwasser geschwommen war. So sahen Ken und ich in Arbeitskleidung aus:

Da das gesamte Wohngebiet noch bis mindestens Mitte November von der Strom- und Gasversorgung abgeschnitten ist, wurden Kens Eltern von einer ebenfalls betroffenen Familie eingeladen, mit ihnen eine leerstehende (!) Riesenwohnung von Bekannten in Brooklyn zu beziehen. Die Bekannten leben selbst in Kalifornien und die Wohnung in Brooklyn nutzen sie nur für Aufenthalte in New York City. Diese Bekannten müssen Millionäre sein, denn die Wohnung liegt in Brooklyn Heights, dem teuersten Viertel von Brooklyn, hat 4 Schlafzimmer und 2 Badezimmer und die Wohnräume haben direkten Blick auf die Skyline von Manhattan:

Ken und ich haben dort ebenfalls die Nacht zwischen den beiden Tagen unserer Hilfe verbracht, aber wir haben - dem Luxus der übrigen Wohnung zum Trotz - im Kinderzimmer in Kinderbetten geschlafen. Ich hatte das Hochbett mit Prinzessinen-Feen-Bettwäsche:

Nachdem Rockaway erst am 2. Tag unseres Einsatzes von Hilfsmaßnahmen des Red Cross erreicht wurde, wurden am 1. Tag Sandwiches durch die ansässige Feuerwehr verteilt. Am 2. Tag wurden wir außerdem durch professionelle Entrümpeler abgelöst, die Kens Eltern nach Entrümpelung des Nachbarhauses engagieren konnten.

Oktober 2012: Andi führt die deutsche Kultur im Ami-Land ein

Kulinarisch...

Ich habe Mama´s guten Apfelkuchen gebacken und der Schwiegermutter als Geburtstagsgeschenk untergejubelt.

Außerdem habe ich am 19.10. endlich deutsches Brot aufgespürt - richtiges deutsches Brot mit Körnern und so - wahnsinn!

Ich habe versucht, ein Fischgericht des Kochbuchs "Deutsche Küche", das mir Martina zum Abschied geschenkt hat, für den lieben Gemahl zu kochen, aber "irgendwas" muss ich wohl falsch gemacht haben - das Gericht sah jedenfalls ziemlich anders aus als auf dem Bild und hat, gemessen an der zweistündigen Zubereitungszeit, auch relativ uninteressant geschmeckt. Den Fisch habe ich nicht vergessen...

Sportlich...

Ich habe die armen Schwiegereltern an unserem gemeinsamen Manhattan-Tag ohne Ken in eine Sportsbar geschleppt und dort das Deutschland-Schweden-Spiel (zur Erinnerung: 4:4 nach einer 4:0-Führung für Deutschland) über sie ergehen lassen. Außer dem Deutschland-Spiel gab es noch 24 andere Fernseher und auf jedem lief ein anderes FIFA-Qualifikationsspiel. Daher wurde jedes Spiel ohne Ton gezeigt - was wahrscheinlich auch besser so war, da die Fans jeder Mannschaft für genug Geräuschkulisse sorgten. Die Fernseher waren U-förmig an drei der vier Wände des Raumes befestigt. Obwohl jedes Fan-Grüppchen natürlich das eigene Spiel verfolgt hat, wanderten die Blicke in den letzten Minuten des Deutschland-Schweden-Spiels alle zum deutschen Fernseher und - oh man, sind wir unbeliebt im Ausland - alle sind vor Freude ausgerastet als Schweden ausgeglichen hat... :(

Versicherungstechnisch

Nachdem der Ami sich ja in der Vergangenheit gegen Versicherungen jeglicher Art gesträubt hat, konnte ich ihn dann - nur 1 Woche vor SANDY - doch dazu bewegen, eine gemeinsame Hausratsversicherung abzuschließen. Die Bretterbude ist zwar, Gott sei Dank, stehen geblieben, aber es hätte durchaus schlimmer kommen können...

September 2012: Andi wird offizielles Mitglied der Obama/Biden-Kampagne

Ach, was könnte man denn unter dem Motto "Yes, we can!" Besseres unternehmen, als den Präsidenten, den Urheber dieses schönen Mottos, zu unterstützen. Leute, ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie schwierig es ist, umsonst für den Kerl zu schuften zu dürfen...

Die ganze Mitgliedschaft bei der Kampagne fußte - mal wieder - auf einem sprachlichen Problem. Ich wollte mich eigentlich nur mal auf der Seite der Kampagne umsehen (Obama/Biden-Kampagne) und mich über Möglichkeiten ehrenamtlichen Engagements erkundigen bzw. war auf der Suche nach einer Telefonnummer, um dort mal anzurufen. Dann entdeckte ich einen Link "Make a call" und ich dachte "Super, das wird die Telefonnummer sein." Statt dessen aber sollte ich mich im Anschluss registrieren und erhielt dann eine Liste noch unentschiedener Wähler, die ich abtelefonieren sollte, um sie dazu zu bewegen, Obama zu wählen. Ich habe mich dann gefragt, ob mich es bewegen würde, Obama zu wählen, wenn ich von einer Person mit defizitärem Englisch angerufen würde und dann womöglich noch herausfinden würde, dass diese Person selbst gar nicht wählen darf... Mir kam das ganze Unterfangen dann doch eher nachteilig vor. Also habe ich weiter nach einer Nummer gesucht und dann auch endlich gefunden und angerufen. Dort wurde mir gesagt, ich solle das Büro in New York City anrufen, was ich ebenfalls getan habe. Dort lief aber nur ein AB, wo ich mein Anliegen vortrug. Dann - nach Wochen - wurde ich von einer Dame zurückgerufen und mit einer Website des Büros in New Haven versorgt. Dort habe ich dann eine Email hingeschrieben, auf die ich nie wieder etwas gehört habe.

Naja, inzwischen ist die Wahl vorbei und Obama hat´s ja auch ohne mich geschafft. Das Einzige, was ich letzendlich beigetragen habe, waren $30 Spende, wodurch ich automatisch an diversen Gewinnspielen teilgenommen habe, wo man ein Dinner mit dem Präsidenten gewinnen konnte. Da ist aber auch nix draus geworden. Naja, der hätte sich wahrscheinlich auch bedankt, wenn er aus Millionen von Amis ausgerechnet die deutsche Trulla aus dem Hut gezogen hätte. Wenigstens hätte ich ihm dann direkt mal sagen können, dass an der Immigrations- bzw. Integrationspolitik noch gearbeitet werden muss. Ein Freund von Ken machte einen lustigen Witz darüber und meinte, ich habe es einfach bei der falschen Partei versucht. Die Republikaner hätten bestimmt kein Problem damit, eine nicht-wahlberechtigte Immigrantin umsonst schuften zu lassen...

August 2012: Andi unterstützt Karaoke-Contest-Teilnehmerin durch Tanzeinlage

Eines Abends haben wir uns mit einem Arbeitskollegen von Ken und seiner Frau in einem Irish Pub getroffen, da dort das Halbfinale eines Karaoke-Contests ausgetragen wurde, an dem auch die Frau des Arbeitskollegen teilnahm. Eins kann ich schon mal vorwegnehmen: es handelt sich bei besagter Teilnehmerin nicht um sie...

Jeder Teilnehmer musste 2 Lieder singen: eins, das frei gewählt wurden durfte und ein Zweites, das vom DJ vorgegeben wurde. Da sämtliche Teilnehmer regelmäßig an der Karaoke des Pubs teilnehmen, wusste der wiederum ziemlich genau, mit welchen Songs so mancher Teilnehmer wohl seine Probleme haben würde.

Während besagte Teilnehmerin bei dem ersten, frei gewählten Song, eine tolle und sympathische Darbietung geboten hatte, konnte sie anscheinend mit Mary J. Blige`s "Family Affair" (reinhören über Player in rechter Seitenleiste) überhaupt nix - aber wirklich gar nix - anfangen. ICH wiederum sollte da eigentlich überhaupt nix beisteuern. Weiß auch nicht, welcher Teufel mich geritten hat, aber ich mag den Song und war total gut drauf (und nüchtern - für alle die das an dieser Stelle anzweifeln mögen!)  an meinem Platz am rumspacken und irgendwie tat mir das Mädel auch leid und - das Nächste, was ich dann realisiert habe, war, dass ich wohl auf die Bühne gerannt war, wo ich mich inzwischen befand und dort versucht habe, HipHop zu tanzen und mit meinem Arm in der Luft rumgerudert habe, um der Frau ein Gefühl für den Takt zu vermitteln - jeder, der mich jemals hat tanzen sehen oder singen hören, weiß spätestens jetzt, dass da der Wunsch Vater des Gedanken war...aber die Amis lieben es ja extrovertiert und crazy- das Publikum ist total ausgerastet! Jedenfalls hat sich dann noch ein weiteres Mädel zu uns gesellt, die aber das bereits vorhandene Talent auf der Bühne nicht wirklich steigern konnte. Dann kam noch der GAU, dass der Song plötzlich einen Instrumentalabschnitt hatte, wo wir dann alle drei endgültig den Faden verloren haben bzw. die beiden Mädels mich erwartungsvoll ansahen und ich dann mit den Achseln gezuckt habe und meinte:"Äh, I am German - I don´t understand English songs" - was natürlich vor allem für einen Instrumentalabschnitt eine überzeugende Entschuldigung ist...

Ken und sein Arbeitskollege fanden die Vorstellung grandios (Zitat des Arbeitskollegens: Ken, your wife rules!), die Frau des Arbeitskollegen, glaube ich, eher nicht so. Vorher hatte die vorhandene Jury nämlich gesagt, dass ein Punkt der Bewertung sein wird, wie das Publikum auf die Performance reagiert. Da das Publikum nur aus ca. 12 Leuten bestand, befand sich also bei der Mary J. Blige-Imitation 1/6 des Publikums auf der Bühne und die anderen 5/6 waren euphorisiert... Ken wird nicht müde, rumzuerzählen, dass die Teilnehmerin nur wegen meines Einsatzes (ich nenne es: ABSOLUTEN BLACKOUT) letztendlich den Contest gewonnen hat - eine Woche später, wo ich übrigens überhaupt nicht anwesend war...

Juli 2012: Andi verhindert potentielle Gasexplosion des Nachbargebäudes

Wenige Tage nach meiner Ankunft in New Haven fiel mir in unserer (alten) Wohnung in der Küche ein Gasgeruch auf. Nachdem ich den Ami binnen weniger Minuten durch das Heraufbeschwören von Katastrophenfantasien in den Wahnsinn getrieben hatte, verständigte er "Southern Connecticut Gas", um der Sache auf den Grund zu gehen. Der Gasdetektor des herbeieilenden Sachverständigen konnte zunächst nichts Ungewöhnliches feststellen, so dass der Sachverständige sich als nächstes den Keller des angrenzenden Hauptgebäudes vornahm, wo alle Anlagen untergebracht sind. Nachdem wir ihn schon ein paar Stunden (!) nicht mehr gesehen hatten und bereits annahmen, er sei schon weg, tauchte er plötzlich wieder auf mit dem Kommentar:"I wish I had never gone down there!" Sämtliche Anlagen waren seit mindestens 10 Jahren nicht mehr gewartet worden, was laut dem Sachverständigen im schlimmsten Fall zu einem Gasunfall größeren Ausmaßes hätte führen können. Was eine Mieterin des Hauptgebäudes, die schon seit Jahren Probleme mit den Vermietern hat, beim nächsten Mal, als sie Gas roch, dazu veranlasst hat, direkt die Feuerwehr zu rufen, um möglichst viele offizielle Autoritäten auf die Missstände aufmerksam zu machen. Sofort am nächsten Tag sah man dann Handwerker alte Anlagen raus und neue Anlagen reinschleppen.

Auch jetzt wohnen wir in einem Gebäude dieser Höllen-Vermieter, die leider die Immobilien von halb Eastrock (der Stadtteil, wo wir wohnen) besitzen. Unsere Hoffnung ist jedoch, dass wir hier einer geringeren Explosions-Gefahr ausgesetzt sind, da diese ihr Büro im Erdgeschoss des selben Gebäudes haben.

Dies sind dann - nach Wartung des Hautgebäudes unserer alten Wohnung - immerhin schon 2 Gebäude in unserem Viertel, deren Explosionsgefahr als gering bis moderat einzustufen ist. Holz brennt ja auch so herrlich und mit Stein haben´s die Amis ja nicht so. (Ein Foto unseres jetzigen Gebäudes findet ihr im Fotoalbum "Unsere Wohnung".)


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